Galerie Transit

Barbara Edlinger
Bürgergasse 11
8010 Graz

Die Galerie Transit ist eine Schnittstelle zwischen künstlerischer Produktion und öffentlicher Rezeption, an der außergewöhnlich bereichernde, oft verborgene Aspekte der Gegenwartskunst präsentiert werden.

Die Galerie Transit nutzt vorhandene Räume, die sich potentiell für die Präsentation von Kunst anbieten. Im Moment gastiert die Galerie Transit in der Bürgergasse 11, in Graz, die präsentierten Arbeiten korrespondieren nun mit diesem Raum.

Das Interesse an gegenwärtig pulsierender Strömungen in der Kunst, das Wissen um die Kraft und Wirksamkeit von Kunstwerken aus der Vergangenheit und die Neugier auf Zukünftiges sind Basis und Inhalt der Galerie.

 

Aktuell
Galerie Transit präsentiert

systemrelEVAnt veroniKATZEkova

 
systemrelEVAnt
veroniKATZEkova
 
 
Eröffnung:
Donnerstag, 17. September 2026
18:30 Uhr
Ausstellungsdauer 18.09. – 24.10.26

 

 

Abbildung: The Double Burden Outfit, 2022, Borosana-Schuhtextil („Pivce za živce“)

Foto Johannes Sfiligoj, Bildbearbeitung veroniKATZEkova

 

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Die von uns verehrte Leistungsgesellschaft feiert Produktivität, beruht jedoch auf oft unbezahlter, schwer quantifizierbarer und historisch feminisierter Arbeit, die für ihr Funktionieren unverzichtbar ist, aber deutlich weniger ökonomische und symbolische Anerkennung erfährt. Frauen werden seit jeher und immer wieder zwischen Geschlechterrollen, Leistungsdruck, unbezahlter Arbeit und finanzieller Unsicherheit gekreuzigt. Die Einzelausstellung systemrelEVAnt von veroniKATZEkova trägt diese Polemik auf zwei ästhetische Schlachtfelder: Sprache und Mode – kompromisslos und mit einer soliden Dosis Witz.

 

 

„systemrelEVAnt“

Die Leistungsgesellschaft, in der wir leben und die wir zugleich verehren, feiert Produktivität, ist auf Formen von Arbeit angewiesen, die oft unbezahlt, schwer quantifizierbar und historisch feminisiert sind. Diese Arbeit ist eine unverzichtbare Voraussetzung für das Funktionieren der Gesellschaft, erfährt jedoch deutlich weniger ökonomische und symbolische Wertschätzung als viele Formen bezahlter Arbeit.

Die Veränderung des sozialen Vertrags, um dieses Paradox zu beseitigen, ist harte Arbeit – eine schwierige Geburt. Aber ist eine Geburt jemals einfach? Im Englischen hat labour eine doppelte Bedeutung: Es bezeichnet sowohl Arbeit als auch den Geburtsvorgang. Der Begriff double burden beschreibt wiederum die gleichzeitige Ausübung von Job (bezahlter Arbeit) und unbezahlter Care- und Hausarbeit, die meist unverhältnismäßig stark von Frauen getragen wird.

Obwohl sich für Frauen in den letzten hundert Jahren vieles verändert hat, sprechen wir weiterhin von Doppelbelastung, Emanzipation und Feminismus – und es fühlt sich zunehmend wie eine endlose Geschichte an. Gleichzeitig erleben wir eine Zunahme retrograder Tendenzen: Versuche, durch Gesetzesänderungen das Recht auf Abtreibung einzuschränken, rechte Rhetorik, die Frauen wieder „an den Herd“ verweist, sowie die fortgesetzte Reproduktion traditioneller weiblicher Archetypen und Geschlechterrollen.

Die Gesellschaft lehnt grundlegende Veränderungen ab und begnügt sich mit mehr oder weniger kosmetischen Anpassungen. Frauen wurden emanzipiert, begannen Anzüge zu tragen, haben jedoch in der Praxis den Schurz nie wirklich abgelegt. Auch die Sprache folgt einem ähnlichen Muster: Gendern reduziert sich in vielen Fällen darauf, ein männliches Wort zu nehmen und es durch eine weibliche Endung zu ergänzen. Es ist fast biblisch: Man nimmt Adams Rippe und erschafft Eva. Die Leistungsgesellschaft ist bemerkenswert konsequent. Sie bleibt sich selbst treu, perpetuiert die Logik der Doppelbelastung und produziert zeitgenössische Phänomene wie die kontroverse Figur der Momfluencerin – ein Versuch, traditionell unbezahlte reproduktive und Care-Arbeit in bezahlte digitale Arbeit zu überführen.

Die Ausstellung „systemrelEVAnt“ von veroniKATZEkova erweitert diese Polemik auf zwei ästhetische Schlachtfelder: Sprache und Mode. Im Zentrum steht eine Konstellation von sozial und geschlechtlich aufgeladenen Statement-Kleidungsstücken – darunter Hosenanzug, Schürze, Borosana-Schuhe, Tote Bag und Minirock –, die den Status des Feminismus reflektieren. Der zweite Schwerpunkt liegt auf den „CDoupbles“ – Kunstwerke, die auf einem Sprachphänomen basieren, bei dem Wörter zufällig andere Wörter in sich bergen, ohne dass zwischen ihnen eine etymologische Verbindung besteht. Diese Arbeiten machen verborgene sprachliche Beziehungen sichtbar und laden dazu ein, Sprache als Fundus für gefährliche Liaisonen und spannende Mini-Szenarien zu erleben. In typografischen Installationen, Assemblagen und Collagen wird Sprache rein mathematisch defragmentiert, um Bedeutungsräume zu öffnen und verdrängte Wahrheiten über unbezahlte und unsichtbare Arbeit offenzulegen.